Das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) ist ein bundesweit tätiges, christlich geprägtes Unternehmen der Sozialwirtschaft mit mehr als 250 Standorten in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Polen und Tschechien.
Die Hauptaufgabenfelder des EJF sind die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, die Behindertenhilfe, Altenhilfe sowie die Arbeit mit geflüchteten und wohnungslosen Menschen. Außerdem betreibt das EJF Kindertagesstätten, Freizeiteinrichtungen und Tagungsstätten und engagiert sich in der Aus- und Fortbildung. Etwa 20.000 Menschen werden an den Standorten des EJF dauerhaft oder zeitweise von mehr als 5.000 Mitarbeiter:innen betreut. Ein Drittel der Betreuten sind Kinder und Jugendliche. Das EJF bedient das Spektrum sozialer Arbeit für Menschen jeden Alters. Die spezialisierte Betreuung von Menschen mit geistigen oder mehrfachen Behinderungen gehört zum Angebot, wie auch die Jugendstraffälligen-Hilfe und die Betreuung und Begleitung psychisch auffälliger Kinder und Jugendlicher bzw. von jungen Menschen mit Gewalt- und Missbrauchserfahrungen. Das Beratungsangebot richtet sich schwerpunktmäßig an Familien sowie geflüchtete und wohnungslose Menschen.
Das EJF hat die Selbstverpflichtungserklärung für gemeinnützige Organisationen der „Initiative Transparente Zivilgesellschaft“ unterzeichnet und veröffentlicht die geforderten Informationen auf seiner Homepage. Das EJF ist Mitglied im Diakonischen Werk. In seiner sozialen Arbeit lässt es sich von Prinzipien christlicher Ethik leiten, vor allem von der Überzeugung, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Das EJF ist Unterzeichner der „Charta der Vielfalt”. Es verpflichtet sich, Vielfalt und Wertschätzung in der Arbeitswelt zu fördern. Alle Mitarbeiter:innen sollen Wertschätzung „unabhängig von Alter, ethnischer Herkunft und Nationalität, Geschlecht und geschlechtlicher Identität, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, sexueller Orientierung und sozialer Herkunft“ erfahren.
Lebensräume Berlin – Verbund Darßer Straße
Die PWS-spezifischen Angebote sind Bestandteil des Verbundes Darßer Straße in der Behindertenhilfe der EJF gemeinnützige AG. Im Verbund gibt es verschiedene Angebotsformen zur sozialen Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Dazu gehören 280 Wohnplätze in besonderen Wohnformen und einige Plätze im ambulanten Setting. Die Wohnplätze verteilen sich auf neun verschiedene Standorte im Berliner Stadtgebiet. Zusätzlich bietet der Verbund 60 Plätze zur Tagesbeschäftigung (BFBTS). Diese Plätze befinden sich an zwei verschiedenen Standorten. Das PWS-Kompetenzzentrum Darßer Straße ist ebenfalls an den Verbund Darßer Straße angegliedert.
Die besonderen Wohnformen und der Tagesbereich sind Maßnahmen der Eingliederungshilfe nach dem SGB IX § 113 und verfolgen das Ziel, eine möglichst selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern und Hindernisse zu beseitigen. Die Bestimmungen des WTG (Wohnteilhabegesetz) finden Anwendung.
Der Verbund Darßer Straße verfügt über Wohnbereiche mit 20 Plätzen in drei Wohngruppen (6+6+8 Plätze) an den Standorten Lebensraum Biesdorf und Lebensraum Darßer Straße, die auf die speziellen Bedürfnisse von erwachsenen Menschen mit Prader-Willi-Syndrom ausgerichtet sind. Außerdem können je nach Unterstützungsbedarf in einer weiteren Wohngruppe (8 Plätze), in der vorwiegend Bewohner:innen mit geistiger Behinderung und Adipositas leben, ebenfalls Menschen mit PWS aufgenommen werden.
Ziel ist es, die Bewohner:innen dabei zu unterstützen, ihren Alltag möglichst selbstbestimmt zu gestalten. Das subjektiv empfundene Wohlbefinden und das Erleben von Selbstwirksamkeit unter Berücksichtigung der behinderungsbedingten Besonderheiten stehen im Vordergrund. In der spezialisierten Wohnform ist es möglich, auf die Ernährungs- und Bewegungssituation sowie auf die psychosozialen Aspekte in besonderem Maße einzugehen.
Zielgruppe
Die Zielgruppe der Einrichtung sind volljährige Frauen und Männer mit Prader-Willi-Syndrom bzw. Adipositas und einer geistigen Behinderung, die sich ohne persönliche Assistenz, Unterstützung und Förderung im Alltag nicht selbstständig versorgen können und am Tag sowie nachts auf die Anwesenheit und Unterstützung von Begleitpersonen angewiesen sind. Sie bedürfen daher individuell angepasster Leistungen im Bereich des Wohnens, der Alltagsgestaltung und der Selbstversorgung.
Der individuelle Hilfebedarf wird durch das mit dem Kostenträger abgestimmte Bedarfsfeststellungsverfahren ermittelt. In Berlin erfolgt die Teilhabeplanung über das Teilhabeinstrument Berlin (TIB).
Personal und Qualifikation
In der besonderen Wohnform arbeiten Mitarbeitende mit unterschiedlicher fachlicher Ausbildung aus den Bereichen Pädagogik, Heilerziehungspflege und Pflege. Die fachliche Weiterentwicklung aller Mitarbeiter:innen sowie Spezialisierungen im Umgang mit dem Prader-Willi-Syndrom werden durch regelmäßige interne und externe Schulungen und Fort- und Weiterbildungen gewährleistet.
Die Grundhaltung dazu bildet ein systemischer und personenzentrierter Ansatz, basierend auf dem Empowerment-Gedanken, der mit einer selbstbestimmten, gleichberechtigten, positiven und wertschätzenden Begegnung aller Beteiligten einhergeht.
Das Prader-Willi-Kompetenzzentrum
Der EJF Verbund Darßer Straße hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt durch konzeptionelle Weiterentwicklung und Fortbildung der Mitarbeitenden auf die Arbeit mit Menschen mit PWS spezialisiert und sich eine Expertise auf diesem Gebiet erworben.
Um Menschen mit PWS und ihre Angehörigen bestmöglich zu unterstützen, sind speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Informations-, Beratungs-, Schulungs-, sowie Assistenz-, Wohn-, Freizeit- und Arbeitsangebote erforderlich. Das PWS-Kompetenzzentrum Darßer Straße versteht sich als Einrichtung, die als (regionale) Anlaufstelle von allen interessierten Personen mit Fragen oder Anliegen zum Thema Prader-Willi-Syndrom angesprochen oder aufgesucht werden kann. Zur Zielgruppe gehören Menschen mit PWS aller Altersgruppen, ihre Eltern, Geschwister, Angehörige, Verwandte sowie Nachbarn oder Personen aus dem sozialen Umfeld der Person mit PWS. Auch Menschen, die institutionell mit dem Thema PWS befasst sind wie Mitarbeiter:innen aus Einrichtungen der Behindertenhilfe, pädagogisch und/oder therapeutisch Tätige in Schulen, Kitas oder Kliniken und auch Kostenträger erhalten im PWS-Kompetenzzentrum Information, Beratung und Vernetzung sowie Unterstützung in der Umsetzung verschiedener ambulanter und stationärer Leistungen.
Information und Beratung, Arbeit im Netzwerk und Vermittlung
Das Kompetenzzentrum informiert und berät intern und extern die oben genannten Zielgruppen aller mit dem Thema PWS befassten Personen und Institutionen. Hier wird online, telefonisch oder persönlich Unterstützung bei der Einschätzung von Fachfragen oder bei der Beantragung von Hilfeleistungen angeboten. Ein weiteres Angebot ist die Beratung von Angehörigen in pädagogischen Fragestellungen oder die Vermittlung anderer kompetenter Ansprechpartner:innen aus dem Netzwerk der PWS-Kompetenzzentren. Möglich ist ebenfalls die Durchführung von Fachvorträgen, die sich an einen breiten Kreis von Interessierten richten können. Gerade wegen der wenig verbreiteten Expertise in der Arbeit mit Personen mit dem Prader-Willi-Syndrom ist es wichtig, Vernetzung zu pflegen. Dazu gehört zunächst die Kenntnis der Fachkräfte über und der enge Austausch mit medizinisch-therapeutischen Expert:innen – sowohl möglichst wohnortnah und falls erforderlich auch in größerer Entfernung. Das PWS-Kompetenzzentrum Darßer Straße arbeitet im Netzwerk der PWS-Kompetenzzentren im deutschsprachigen Raum mit, zu dem derzeit fünf deutsche, zwei österreichische und zwei Einrichtungen aus der Schweiz gehören. Der Verbund Darßer Straße ist Mitglied in der Prader-Willi-Syndrom Vereinigung Deutschland e.V. und in der IPWSO, der internationalen Prader-Willi-Syndrom Organisation.
Ansprechpartner
Sie erreichen die Ansprechpersonen für das PWS-Kompetenzzentrum unter folgenden
Kontaktdaten: pws-kompetenzzentrum@ejf.de
Bereichsleiterin: Isabell Vollbrecht
Telefon: 0151 43126634
E-Mail: Vollbrecht.Isabell@ejf.de
Sozialarbeiterin: Kathrin Specht
Telefon: 0160 9268 25 92
E-Mail: Specht.Kathrin@ejf.de
Lebensraum in Biesdorf
2 Wohngruppen für Menschen mit PWS mit 6 Einzelzimmern
Debenzer Straße 36-44
12683 Berlin
2 Außenwohngruppen 3+4 des LRiB in der Darßer Straße
Darßer Straße 103
13051 Berlin
