Lebensphase: Kleinkinder
Ein Kleinkind gedeiht
Die Eltern sollten nun erste Überlegungen über PWS-gerechte Ernährung und das Essen innerhalb der Familie anstellen, auch wenn die Ess-Sucht bei den meisten Kindern mit PWS erst ab Mitte des dritten und dem fünften Lebensjahr zutage tritt. Eine erste Orientierung zur Umstellung des Familienessens bietet die Ernährungs-Pyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Diese bietet PWS-Kindern und ihren Familien eine ausgewogene Mischkost mit hoher Nährstoffdichte.
Familiäre Essgewohnheiten auf dem Prüfstand
Da ein Mensch mit PWS nur etwa 2/3 der Energie benötigt, die ein gesunder Mensch im gleichen Alter braucht, sollten Eltern schon jetzt darauf achten, süße und kalorienreiche Lebensmittel zu vermeiden, was gar nicht so einfach ist. Die Familie nascht für ihr Leben gern und kann auf die Nutella zum Frühstück nicht verzichten. Und was wäre ein gemütlicher Familienfernsehabend ohne Limo und Chips? Für das PWS-Kind sollten Süßigkeiten und fettige Nahrung zu den ganz besonderen Ausnahmen gehören. Wenn sie angeboten werden, dann nur in sehr kleinen Mengen. Seine Ernährung sollte immer darauf abzielen, Übergewicht zu vermeiden und eine gesunde Gewichtssituation zu erreichen.
So benötigt ein PWS-Säugling bis zum 1. Lebensjahr täglich 60 – 70 kcal pro kg Körpergewicht. Normalgewichtige PWS-Kleinkinder im Alter von 2 – 3 Jahren dürfen täglich 500 – 700 kcal und 4-6Jährige 600 – 800 kcal zu sich nehmen. Aus Sorge vor möglichem Übergewicht sollten sich Eltern jedoch nicht dazu verleiten lassen, ihrem Kind zu wenige Kalorien zuzuführen.
Was für das Essen stimmt, betrifft genauso das Trinken. Auch hier sollten Eltern darauf achten, ihr PWS-Kind gar nicht erst an Schorlen oder Säfte, sondern direkt an Wasser und ungesüßte Tees zu gewöhnen. Viele Eltern berichten, dass ihre Kinder mit PWS insgesamt eher ungern trinken.
Geregelte Mahlzeiten mit anschließender Zahnhygiene
Genauso wichtig wie das, was das Kind isst und trinkt, sind die Umstände, unter denen das Kind isst. Wie schnell bekommt ein Kleinkind nicht beim Metzger eine Scheibe Fleischwurst in die Hand gedrückt? Das Brötchen soll aus Zeitnot eben schnell im Kinderwagen auf dem Weg gegessen werden und auf dem Spielplatz bieten alle anderen Mütter ihren Kindern laufend ein Kekschen oder eine andere Leckerei für zwischendurch an. Für einen guten Umgang mit der Ess-Sucht sind sehr strenge Essensregeln förderlich. Ein Kind mit PWS sollte von Anfang an lernen, dass eine bestimmte Anzahl an Mahlzeiten gibt – zumeist fünf – und nichts zwischendurch.
Es sollte wissen, dass nur am Tisch gegessen wird und die Portion, die vor ihm steht, für ihn bestimmt ist. Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, das Essen bewusst wahrzunehmen, indem Sie zum Beispiel den Fernseher ausschalten. Auch eine konsequente Zahnhygiene nach jeder Mahlzeit, am besten ab dem ersten Zahn, sollte zu den Regeln und damit zum festen Bestandteil des Tagesablaufs gehören. Denn aufgrund ihres zähen Speichelflusses haben Menschen mit PWS häufig große Probleme mit Karies.
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